Nachdem die Halbinsel Krim
zum Teil der Russischen Föderation geworden war, wurde die Frage der Sicherheit
in Osteuropa zu einem viel diskutierten Thema. Eine der wichtigsten Fragen
dabei ist so genannte "russische Bedrohung".
Europa zerfällt in zwei
Räume. Die Ereignisse in der Ukraine haben Europa wieder geteilt, nicht in zwei
ideologische Blöcke, wie in Zeiten des Kalten Krieges, sondern in zwei Zonen
unterschiedlicher Sicherheit. Während West- und Mitteleuropa einen Raum hoher
Stabilität bilden, beginnt östlich davon ein Gebiet neuer Instabilität. “Das größte Problem in diesem Raum ist Russland“.
An dieser Stelle muss man
kurz erklären, was man unter dem Begriff “Osteuropa” versteht. In jedem
einzigen Artikel hat dieser Begriff eine eigene Bedeutung. Manchmal wird Europa in
Ost- und West- geteilt (wie während des Kalten Krieges) oder in Ost-, Mittel-
und West. Im letzten Fall beinhaltet “Osteuropa” alle Länder, die östlicher der
NATO- und EU-Grenzen bis zu Russland liegen. Der erste Gesichtspunkt ist für Russland
typisch, der zweite – für Deutschland. Diese Teilung ist für beide Seiten sehr
wichtig, vor allem politisch.
Die Annäherung der NATO
zur Grenze mit Russland bzw. die Annäherung der russischen Streitkräfte zur
Grenze mit der NATO wird durch gegensätzliche Sichtweisen dargelegt. Laut den deutschen Medien hat Russland nahe den NATO-Grenzen große Truppenverbände
zusammengezogen. Dementsprechend heißt es: Russland sei Bedrohung für Baltikum und
Polen zugleich, daher unterstützte die NATO diese Länder lediglich dem Artikel 5 (Nordatlantikvertrag) zufolge. Die Situation in dieser
Region werde durch russisches Vorgehen destabilisiert.
Russische Medien halten
nicht die baltischen Staaten für eine Bedrohung, sondern die NATO bzw. ihre Annäherung an die russischen Grenzen. Laut den russischen Medien sei die NATO eine Bedrohung
für Russland. Die NATO habe nahe der russischen Grenzen ihre Soldaten stationiert.
Die Antwort von der russischen Seite folge aus Sicherheitsgründen. Die
Ausdehnung der NATO und die Verstärkung der Militärpräsenz destabilisiere die
Situation in dieser Region. Russland macht sich Sorgen um zahlreiche Militärübungen
«gegen Russland».
Russische und deutsche Medien stellen antagonistische
Bilder dar. Durch die polarisierende Wahrnehmung entsteht das Sicherheitsdilemma, wenn beide Seiten aufrüsten, was wiederum nicht die Sicherheit des Staates erhöht, sondern nur zur Destabilisierung der Situation in der jeweiligen Region führt. Die Frage der «russischen Bedrohung» wird aber in
Deutschland ernster wahrgenommen, als in Russland. Abgesehen davon, dass
Politiker selbst häufig von der «russischen Bedrohung» sprechen, vor allem für das Baltikum, wird die Lage noch durch die Medien noch verschärft. Zum
Beispiel ein Zitat aus der Welt: «Jetzt muss die Sicherheit des Westens neu erfundenwerden, nicht allein angesichts der russischen Beunruhigungen. Der Rest derWelt birgt genug Gefahren. Aber Russland ist nah, hat unfriedliche Ziele undeine Sicherheitsdoktrin, in der die Nato als Hauptfeind figuriert». Das ist nicht das einzige Beispiel des Freund-Feind
Denkens in den Medien, aber in diesem Fall wird auf ein Dokument verwiesen. Obwohl
in offiziellen russischen Doktrinen immer darauf hingewiesen wird, dass die
NATO sich an die russischen Grenze annähert, was die Sicherheit Russlands
bedrohen kann und als ein Verstoß gegen das Grundrecht auf Sicherheit
wahrgenommen wird. Die NATO wird aber nie als Feind genannt. (http://www.mid.ru/foreign_policy/official_documents/-/asset_publisher/CptICkB6BZ29/content/id/976907 http://www.mid.ru/foreign_policy/official_documents/-/asset_publisher/CptICkB6BZ29/content/id/2542248
http://www.mid.ru/foreign_policy/official_documents/-/asset_publisher/CptICkB6BZ29/content/id/294430)
Allerdings sind die beiden
Medien in einem einig: amerikanische Militäreinheiten auf den Straßen des
östlichen Mitteleuropas sind keine echte militärische Bedrohung. Sie sind nur
ein politisches Zeichen an «Russlands starken Mann» und eine Erinnerung daran,
dass das Vertragsgebiet des Nordatlantischen Pakts heute Polen und die
baltischen Staaten umfasst.
In den russischen Medien
wird immer darauf hingewiesen, dass die ganze amerikanische und europäische
Technik, die gerade in Polen und in den baltischen Staaten eingeführt wurde, im Fall
eines echten Konfliktes einfach zum «Schrotthaufen» wird. Der Krieg ist unwahrscheinlich und die Verstärkung der
Militärpräsenz ändert eigentlich nichts. Aber ein weiteres Vorgehen der NATO kann zum Konflikt führen, falls die Situation von der russischen Seite für unakzeptabel eingeschätzt wird.
Es gibt noch einen wichtigen
Punkt und zwar Okkupation und Annektierung der osteuropäischen Staaten. Laut den deutschen Medien «aggressives Russland» war genau dies der Grund, um die
Militärpräsenz der NATO in dieser Region zu verstärken. Laut den russischen Medien sei die Erweiterung der
NATO-Truppen eine Okkupation, die sich bei der stillschweigenden Zustimmung der
westlichen Regierungen abspielt.
Zusammenfassung: «Russische
Bedrohung» ist nach der Krim-Annexion zu einem meist diskutierten Thema
geworden. Seither entstand aber die Situation, die in der Theorie der
internationalen Beziehungen Sicherheitsdilemma genannt wird. Die Annäherung der NATO zur Grenze mit Russland bzw. die Annäherung der russischen Truppen zur
Grenze mit NATO wird von gegensätzlichen Blickwinkeln betrachtet. Laut den
deutschen Medien hat Russland nahe den NATO-Grenzen große Truppenverbände
zusammengezogen. Es heißt, Russland sei eine Bedrohung für Baltikum und Polen.
Russische Medien nennen als Grund dafür nicht die Bedrohung von Seiten der
baltischen Staaten, sondern von der NATO bzw. ihrer Annäherung an die russischen
Grenzen.

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